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Itzig Manger (1901-1969)

Itzig Manger

30. Mai 1901, Czernowitz – 21. Februar 1969, Gedera bei Jerusalem

ist als „Prinz der jiddischen Ballade“ in die Literaturgeschichte seines Volkes eingegangen. Im Jahre 1901 als Schneidersohn Isidor Helfer in Czernowitz geboren und in Jassy aufgewachsen, hatte er schon sehr früh zu den tiefen Quellen der jiddischen Folklore und zur Mystik des Chassidismus gefunden und später sie zum unentbehrlichen Bestandteil seines dichterischen Schaffens gemacht. Er besuchte die hebräische Volksschule und darauf das deutsche Gymnasium in seiner Geburtsstadt Czernowitz, war aber alles andere als ein braver und fleißiger Schüler.

Bereits als Gymnasiast begann er zu dichten (nach eigener Aussage zuerst in deutscher Sprache) und betrachtete daher seine Schulpflichten als etwas Störendes, was ihn von seiner dichterischen Berufung nur abzulenken vermag. Sein Vorbild war François Villon – ein unruhiger Geist des späten Mittelalters. Bald wurde der Ungebärdige wegen seiner Bubenstreiche aus dem Gymnasium relegiert und arbeitete danach in der kleinen Werkstätte seines Vaters zusammen mit dem Bruder Note. Seinem äußeren Entwicklungsgang nicht viel mehr als ein „entlaufener Schneiderlehrling“, war er menschlich und dichterisch eine höchst eigenartige Persönlichkeit. Ein Vagabund und Trinker, der nie an einen Ort lang gebunden bleiben konnte und Stadtschenken zu seinem Wohnsitz machte, erwarb er durch regelmäßige Lektüre beneidenswertes Wissen auf verschiedenen Gebieten und beeindruckte damit seine Leser und Hörer.

Mangers literarischer Aufstieg fällt in die 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts. 1921 debütierte er in einer Bukarester jiddischen Zeitung mit seinem ersten Gedicht, 1929 erschien in Warschau sein lyrischer Erstling – der Band „Schtern ojfm Dach“ (Sterne auf dem Dach), der seinen Namen in weiten Kreisen des Ostjudentums berühmt machte. Um diese Zeit lässt er sich in Warschau nieder, wo er als Korrespondent rumänischer Presseorganen (“Lumea“, „Reporter“) tätig ist, kehrt aber immer wieder nach Bukarest und nach Czernowitz zurück. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg gelang es ihm noch rechtzeitig aus Polen nach Paris und später nach London zu flüchten, wo er die Katastrophe überleben konnte. Sein Vater und sein Bruder wurden inzwischen von den Nazis ermordet. 1951 wanderte er in die USA aus, ließ sich in New York nieder und lebte dort in bescheidenen Verhältnissen, halb vergessen, still dahin.

Mangers bevorzugte poetische Gattung war die Ballade – jene literarische Form, die besonders in der Romantik gepflegt wurde. Gleich den großen romantischen Vorbildern, tauchen bei Manger phantastische und mystische Momente auf, wo Naturkräfte und Elementargeister regieren. Auch Bänkelsang oder Moritat haben in seinem Werk tiefe Spuren hinterlassen. Mangers Balladen- und Liederbände der Zwischenkriegszeit „schtern ojfm dach“ (Sterne auf dem Dach“, 1929), „lamtern in wint“ („Laternen im Wind“, 1933), „chumesch-lider“ („Bibel-Lieder“,1935), „megille-lieder“ („Purim-Lieder“, 1936“) sowie seine Nachkriegsbände „demerung in spigel“ („Dämmerung im Spiegel“) „schterne in staub“ („Sterne im Staub“) machten ihn zum populärsten jiddischen Dichter. Seine Gedichte wurden in viele Sprachen übersetzt. Zu seinem 50.Geburtstag erschien in New York sein lyrisches Gesamtwerk in einem 500 Seiten starken Jubiläumsband unter dem Titel „lid un balade“ („Lied und Ballade“) – Unter dramatischen Werken I.Mangers hebt man vor allem seine Bearbeitungen der Stücke des Begründers des jiddischen Theaters Abraham Goldfadens – „di kischufmacherin“ („Die Zauberin“) und „drai hozmachs“ („Drei Possenreißer“, beide 1936) hervor. Das Musical von Dov Seltzer, das aufgrund seiner „Purim-Lieder“ entstand, wurde von dem Publikum in USA und in Israel begeistert bejubelt. Als größter Erfolg Mangers gilt jedoch sein Schelmenroman „dos buch fun gan eden: di wunderleche lebensbeschraibung fun schmuel abe aberwo“ (1960), das in der deutschen Übersetzung von Salcia Landmann als „Das Buch vom Paradies“ (1962) bekannt ist. Der Roman avancierte in den 60er Jahren zum Bestseller und stand lange Zeit auf der Bestsellerliste des deutschen Buchhandels. Eigentlich sollte dieser Roman nur den ersten Teil einer Trilogie bilden, deren andere Teile Manger als „Das Buch von der Erde“ und „Das Buch von der Irrwelt“ betiteln wollte. Diesen Plan gelang es dem Autor nicht mehr zu realisieren. 1967 ereilte den Dichter ein Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholen konnte. Freunde brachten ihn in ein Sanatorium in Gedera bei Jerusalem, wo er am 21.Februar 1969 verstarb. Seine Beerdigung gestaltete sich in einer nationalen Trauerkundgebung. „Glanzvoller ist kein Vagabund beerdigt worden“ (A.Kittner) – 2004 gab Efrat Gal-Ed die vollständige deutsche Balladensammlung „Dunkelgold“ heraus (jiddisch/deutsch, Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag).

Dr. habil. Petro Rychlo

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